St. Lambertus Kalkum
Die
Pfarrkirche St. Lambertus markiert einprägsam das historische Ortszentrum von
Kalkum. Die ältesten Nachrichten über den im Norden von Düsseldorf
gelegenen Ort stammen aus dem 9. und 10. Jahrhundert, in denen der
Königshof Kalkum, bestehend aus Kirche, Haupthof (heute Schloss Kalkum)
und Wassermühle, beschrieben werden. Die ältesten Teile der Kirche wurden
bereits im 11. Jahrhundert errichtet, größere Baumaßnahmen sind für das
12. und den Beginn des 13. Jahrhunderts bezeugt. Da die Stiftung des
Hauptaltares in das Jahr 1236 datiert wird, war das Gotteshaus spätestens
zu diesem Zeitpunkt vollendet. Der heilige Lambertus war offenbar von
Anfang an Patron der Kirche in Kalkum, da über ein anderes Patrozinium bis
heute nichts bekannt ist.
Nach der Säkularisation des Stiftes Kaiserswerth
(1804), zu dem St. Lambertus seit 1597 gehörte, verfiel das Gebäude
zusehends; man dachte an Abriss und Neubau. Doch manche Bauhistoriker des
19. Jahrhunderts bezeichneten die Kirche als eines der »merkwürdigsten
Baudenkmäler des Niederrheins« und retteten sie damit vor dem Abriss.
Deshalb wurde St. Lambertus zwischen 1892 und 1897 grundlegend restauriert
und mit einer historistischen Ausstattung des 19. Jahrhunderts versehen.
Diese entsprach jedoch am Ende der 1970er Jahre nicht mehr dem Geschmack
der Zeit, und so wurde das Gebäude 1983 einer erneuten Restaurierung und
Neuausstattung unter der Leitung des Architekten Heinz Thoma unterzogen.
Ergebnis dieser letzten Restaurierung ist eine gelungene Verbindung
zwischen historischer und moderner Kirchenkunst und der strengen Ordnung
eines romanischen Bauwerks.
Die auf einer sanften Anhöhe gelegene Kirche
beeindruckt zunächst durch ihre Höhe und bietet so ein
imposantes Erscheinungsbild.
Über niedrigen Seitenschiffen erheben
sich ein hohes Mittelschiff mit zwei Obergadenfenstern und ein burgartig
aufragender Turm. Den dreigeschossigen
Westturm auf quadratischem Grundriss krönt ein einfaches Pyramidendach
über dem Glockengeschoss. Dem Turm vorgelagert ist eine kleine
Vorhalle mit einer einfachen Fensterrosette im Giebel. Darunter
befindet sich der Haupteingang in das Gotteshaus: Ein schönes
Rundbogenportal, in dem Profile und zwei schlanke Säulen aus Haustein
die Portalflügel und die darüber liegende Lünette umrahmen.
Die Fassaden des nördlichen und
südlichen Seitenschiffes gliedern Blendbögen und kleine
Rundbogenfenster. Im
Osten setzt sich das hohe Mittelschiff in einem Chorhaus fort, das
ebenso wie das südliche Seitenschiff in einer halbrunden Apsis seinen
Abschluss findet. Bemerkenswert ist hier vor allem die Höhenstaffelung der
einzelnen Gebäudeteile. Das
nördliche Seitenschiff hingegen endet in der quadratischen Sakristei,
die während der Restaurierung in den 1890er Jahren angebaut wurde.
Der
Grundriss von St. Lambertus zeigt eine dreischiffige Pfeilerbasilika
mit Vorhaus und Turm im Westen sowie Chorhaus mit Apsis im Osten. Das
Innere des Gotteshauses beeindruckt ebenso wie das äußere
Erscheinungsbild durch seine Höhe und die Klarheit der architektonischen
Ordnung. Das Mittelschiff besteht aus einem einzigen Joch, an dessen
östlichem Ende ein großer und ein kleiner Bogen in das Chorhaus
überleiten. Den Übergang vom Mittelschiff in die Seitenschiffe bezeichnen
etwas gedrungene
Rundbögen. Den einzigen Schmuck an den Wänden des Mittelschiffes
bilden die farbig gefassten Figuren des
heiligen Lambertus und des
heiligen Josef; sie sind Schöpfungen des Düsseldorfer Bildhauers
Ignatz Osterspey vom Anfang des 19. Jahrhunderts.
Im Gegensatz zum Mittelschiff sind die
Seitenschiffe in drei Joche unterteilt und werden von einfachen
Kreuzgewölben überdeckt. Das
südliche Seitenschiff endet in einer kleinen Apsis, die einen
angemessenen Raum für den Altar mit der kostbaren
Madonna bildet. In der Apsis des gegenüber
liegenden Seitenschiffes hat der romanische Taufstein aus dem 13.
Jahrhundert seinen Platz gefunden. Er diente viele Jahrzehnte als
Blumenschale im Pfarrgarten, ist aber während der Umgestaltung im Jahre
1983 in die Kirche versetzt und so vor dem endgültigen Verfall gerettet
worden.
Das Zentrum des
Chorraumes bildet der Altar. Die vier Säulen und das Medaillon mit dem
Lamm Gottes sind Teile des alten Hauptaltares aus dem 19. Jahrhundert.
Besondere Beachtung verdienen jedoch die drei
Chorfenster. Sie sind Schöpfungen des Düsseldorfer Künstlers E. O.
Köpke, einem Schüler von Jan Thorn-Prikker, aus dem Jahre 1937. Das
mittlere Fenster hinter dem Altar stellt die thronende Muttergottes mit
dem Kind dar, ihr wenden sich von links und rechts der heilige Lambertus
mit Mitra und Bischofsstab sowie die Heiligen Drei Könige zu. Die
Glasmalereien bestechen durch die kräftigen Farbkontraste und die
archaische Gestaltung der Figuren, die sich an vielen Orten des Bildes in
einfache geometrische Ornamente aus Kreisen, Rechtecken und Dreiecken
auflösen. An der Südwand des Chorhauses ein weiteres
Fenster mit musizierenden Engeln, ebenfalls von E. O. Köpke, aus dem
Jahre 1953. Aus dieser Zeit stammen auch die Fenster der Seitenschiffe,
die Themen aus der Offenbarung des Johannes darstellen: Im südlichen
Seitenschiff sind unter anderem die
apokalyptischen Reiter Krieg und Hunger (Offb. 6, 7) in drastischen
Schilderungen zu sehen; diesen entsprechen im nördlichen Seitenschiff
ausdrucksstarke Bilder der
Anbetung des ›Lammes wie geschlachtet‹ durch die 24 Ältesten und die
Engel (Offb. 5, 8 – 11).
Auf dem Rückweg zum Haupteingang lohnt noch ein
Blick auf die
Orgelbühne, die sich ebenso harmonisch wie die übrigen modernen
Ausstattungsstücke und die Fenster in das romanische Gehäuse einfügt. Die
geschnitzte Figur des heiligen
Sebastian wird in das Jahr 1734 datiert und ist noch von der barocken
Ausstattung erhalten geblieben. Unter der Empore lädt schließlich das so
genannte
»Gnadenbild von Kevelaer« aus dem Jahre 1647 zur Verehrung der
Gottesmutter ein. Und diese geschieht in einer würdigen Umgebung, die
einen guten und bleibenden Eindruck hinterlässt.
Text aus "Kirche des Monats" Erzbistum Köln |